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Wie Sie mit destruktiven Motzköpfen fertig werden 

 Juli 4, 2010

Von  Dr. Stefan Fraedrich

Liebe Schweinehundeprofis,

wahrscheinlich schleppe ich ein pieksendes Trauma mit mir herum, das immer dann zutage tritt, wenn ich mit sinnloser Bürokratie oder destruktivem Gemotze konfrontiert werde. So wie vor ein paar Tagen, als ich in meiner Heimatortschaft mit dem Hund unterwegs war.

Der Sheriff von Michelbach

Michelbach an der Bilz: 2000 nette Seelen, schönstes Schwabenland. Mittendrin eine Internatsschule, die dem Ort Leben einhaucht. Hier bin ich aufgewachsen, hierher komme ich immer wieder gerne zurück. Auch mit besagter Schule verbinden mich angenehme Erinnerungen (obwohl ich auf eine andere gegangen bin): Freund- und Bekanntschaften in Kindheit und Jugend, man gehört irgendwie zusammen. Und so schlendere ich mal wieder (wie übrigens seit unserem Hausbau 1978) mit dem Hund an der Schule vorbei und denke an nichts Böses, als mir plötzlich rufend ein Mann hinterherläuft. Bestimmt 200 Meter legt er zurück, um mich schließlich darüber aufzuklären, dass ich mit dem Hund hier nicht laufen dürfe. Zum einen sei es nicht zumutbar, dass der Hund an die Bäume pinkle (was er gar nicht tut), zum anderen sei das Schulgelände ein Privatgrundstück, auf dem ich mich ohnehin nicht aufhalten dürfe, das könne ich gerne nachprüfen.

Völlig perplex frage ich ihn, ob er das ernst meine. Er bejaht und stellt mir in Aussicht, mal die Schüler in meinen Garten pinkeln zu lassen. Dann wiederholt er, ich möge nun das Gelände verlassen. Ich stehe auf dem linken Fuß: Hat sich hier etwas verändert? Habe ich ein „Betreten verboten“ übersehen? Möglich – schließlich lebe ich hier nicht mehr dauerhaft. Vorstellen allerdings kann ich mir das nicht. Und dass dieser offensichtlich bei der Schule angestellte Lehrer/Pädagoge/Betreuer mir tatsächlich hinterherläuft, um mich derart zu maßregeln, obwohl ich mir keiner Schuld bewusst bin (wie der Hund übrigens auch), macht mich sauer. Hier drückt einer auf meinen Wutknopf: Wie muss man drauf sein, um wegen solcher Kleinigkeiten fremden Menschen hinterherzulaufen? Hat der nichts Sinnvolleres, womit er sich beschäftigen kann? Wenn ihn stört, dass mein Hund das Beinchen hebt, kann er mich dann nicht einfach bitten, ihn enger an die Leine zu nehmen (zumal ich ohnehin zu den vorbildlichen Hundebesitzern gehöre, die größeres „Geschäft“ stets ordentlich mit Tütchen entfernen)? Kann der mir nicht auf zig Arten freundlicher kommen, als einfach nur „Weg hier!“ zu fordern? Stattdessen steht er wie Darth Vader vor mir, aggressiv das Lichtschwert gezogen, und die dunkle Seite der Macht wabert in meinen schönen Sommerabend.

Ich nehme nun eine ordentliche Testosterondusche und es folgt ein unschöner Wortwechsel. Schließlich ziehe ich unter Protest von dannen und checke akribisch sämtlich Zugangswege zur Schule. Wie erwartet: Nirgendwo finde ich ein entsprechendes Verbotsschild. Zwei Internatsschülerinnen bestätigen mir, dass ich keine Regel gebrochen habe. Ich solle den Herrn YX einfach nicht ernst nehmen und zukünftig wieder durchlaufen. Ihr Ton ist mir vertraut: „Manche sind bescheuert, das weiß man doch!“ wollen sie mir zwischen den Zeilen sagen. Und: Ja, ich weiß. Aber sitzen lassen kann ich das trotzdem nicht auf mir. So kommt mir keiner! (Dass mir klar ist, hier etwas „empfindlich“ zu sein, ist hoffentlich schon rübergekommen?) Und natürlich telefoniere ich deswegen umgehend mit dem Bürgermeisteramt. Wie erwartet findet man auch dort – tratraaa! – das Vorgehen des selbsternannten Schulsheriffs befremdlich. Wenngleich er mit dem Privatgrundstück Recht habe, sei es üblich und nicht verboten, dort durchzulaufen. Und die Sache mit dem Hundepipi wird mit Vokabeln wie „kleinlich“ bedacht – wir befänden uns immerhin in ländlichem Gebiet.

Am nächsten Tag gehe ich zur Internatsleiterin und schildere den Vorfall. Sie wiederum bestätigt all die positiven Erinnerungen, die ich an die Schule habe: freundlich, offen, lösungsorientiert ist man hier. Sie freut sich, dass ich den Konflikt direkt klären will und werde der Sache nachgehen. Tatsächlich bekomme ich nur einen weiteren Tag später einen Anruf vom „Sheriff“. Er habe mich überhaupt nicht des Geländes verwiesen, sagt er nun. Ich habe ihn missverstanden. (Freilich, freilich …) Wieder sind wir einander zwar nicht unbedingt sympathisch, aber dieses Mal bleibt unser Gespräch sachlich – und ich höre aus seinem Mund die Bestätigung: Ja, ich dürfe auch zukünftig durchlaufen. Mehr will ich nicht hören, für mich ist die Sache nun erledigt. Dass auch Hunde Pipi machen, kann ich nicht ändern, wenngleich ich meinen gerne enger an die Leine nehmen werde, wenn wir wieder an der Schule vorbeilaufen. Außerdem: Täusche ich mich, oder nehme ich in seiner Stimme ein wenig Zähneknirschen wahr? Es kann sein, dass er sich nicht gefreut hat, bei mir anzurufen … Strike!

Lassen Sie nicht alles mit sich machen!

Okay, Asche auf mein Haupt! Sie haben Recht: Ich hätte es lockerer nehmen können. Ich hätte milde lächeln und beim nächsten Mal einfach so wieder durchlaufen können. Die Wahrscheinlichkeit, dass mir genau derselbe Mensch beim nächsten Heimatbesuch in zwei Monaten wieder über den Weg läuft, ist gering. Hierauf soviel Energie zu verwenden, ist eigentlich bescheuert. Ja, eigentlich. Andererseits aber: Was mich so gestört und auf 180 gebracht hat, waren die vielen kleinen destruktiv-besserwisserischen Signale, die von meinem Gegenüber ausgingen: Der vorwurfsvolle Tonfall eines ans Rechthaben und Rechtbekommen Gewohnten. Die innere Haltung, zu meinen, fremde Menschen ohne ersichtliche Hemmschwelle maßregeln zu dürfen. Der Bezug auf eine für mich nicht nachprüfbare Regel. Die (in meinen Augen) erstaunliche Irrelevanz des Anlasses. Das inszenierte (und zumindest von ihm geglaubte) Machtgefälle im Gespräch. Nein, ich hätte hier gar nichts lockerer nehmen können! Denn: Sind wir nicht alle schon mal bei ähnlichen Vorfällen zähneknirschend davongezogen – und haben uns dann später geärgert, weil wir uns nicht gewehrt hatten? Mit jedem Mal, wenn so etwas passiert, schwindet ein kleines bisschen Selbstbewusstsein – und die dunkle Seite der Macht hat mal wieder gewonnen … Denn der Kampftrick solcher Vollhonks liegt ja gerade darin, auf die defensive Einstellung und scheinbare „Vernünftigkeit“ des Angegriffenen zu vertrauen! Wer wehrt sich schon gegen Kleinlichkeit? Ich schätze, dass die meisten Menschen Konflikten eher aus dem Weg gehen – und genau damit haben Motzköpfe einen systematischen Vorteil. Sie können so ungestraft ihre Schneise aus schlechten Gefühlen hinterlassen. Und genau das ist der Grund, warum man manches einfach nicht mit sich machen lassen darf! Punkt.

Na, halten Sie mich für empfindlich? Ich glaube, das bin ich nicht. Ich habe auch gar nichts gegen Kritik oder andere Meinungen. Im Gegenteil: Jedes komplexe System (so auch unsere Gesellschaft und natürlich wir selbst) braucht Feedback – und Kritik ist eine davon. Pluralität von Menschen und Meinungen ist wichtig. Die Frage ist aber: Wie konstruktiv ist Kritik oder Korrektur? Also: Ist sie auf das Ziel ausgerichtet, die Dinge zukünftig besser zu machen? Falls ja, ist sie willkommen. (Wie vielleicht der Hinweis, der Hund solle nicht aufs Gelände pinkeln.) Falls aber nein, wird sie zum destruktiven Gemotze – und sollte unterbleiben oder beendet werden. (So wie ein plötzliches Durchgangsverbot die halbe Ortschaft aufregen dürfte.)

Gestalter, Verwalter, Zerstörer

Ich teile Menschen ja vereinfachend in drei Kategorien ein: in Gestalter, Verwalter und Zerstörer. Die Gestalter denken konstruktiv, lösen Probleme, haben Ideen, setzen sie um und schaffen dabei Neues. Natürlich läuft nicht immer alles reibungslos ab, dennoch brauchen wir die Gestalter, damit es vorangeht. Danke, liebe Gestalter! Für bessere Abläufe hingegen sind die Verwalter zuständig. Sie klären, ordnen, lenken die Dinge in die richtigen Bahnen. Sie verwalten, was da ist. Danke, liebe Verwalter! Die Zerstörer hingegen hinterfragen Bestehendes und machen kaputt, was ihrer Prüfung nicht standhält. Der Zerstörer ist eine Art Korrektiv in unserer Gesellschaft. Ein Abwehrmechanismus gegen schlechte Systeme. Wie eine körpereigene Abwehrzelle gegen Bakterien oder Krebs. Danke, lieber Zerstörer! Alles ist gut.

Manchmal allerdings geraten die Dinge aus dem Gleichgewicht und ein Typus wird selbst zum Krebsgeschwür: zum Beispiel wenn die Verwalter den eigentlichen Sinn ihrer Tätigkeit aus den Augen verlieren und Bürokratien um ihrer selbst Willen wuchern. Dann wird auf Regeln beharrt, obwohl offensichtlich ist, dass sie am Wesentlichen vorbeigehen. So wie im WM-Achtelfinale zwischen Argentinien und Mexiko. Da wird ein Abseitstor vom Schiedsrichter als reguläres Tor anerkannt, obwohl er – und ein ganzes Stadion – auf der Anzeigetafel sieht, dass es eine Fehlentscheidung ist! Doch Schiedsrichter treffen laut ihrem regelorientierten Selbstverständnis „Tatsachenentscheidungen“. Und die dürfen nicht umgestoßen werden – selbst wenn die „Tatsachen“ gar nicht tatsächlich sind. Obwohl man mittlerweile die technischen Möglichkeiten hat, umstrittene Entscheidungen zu objektivieren. Die Folge: Es entsteht mitunter ein bösartiger Bürokratismus unter dem die zu leiden haben, auf deren Kosten er geht. Der Verwaltertypus handelt dabei zwar formal richtig, macht es aber auf der Sinnebene falsch. Man klebt ängstlich an den Regeln, leistet blinden Gehorsam am fehlgeleiteten System – und empfindet sein Handeln in der Binnensicht dennoch als korrekt. Dabei kann er sich guten Gewissens hinter Institutionen verstecken. Der Schiri hinter der Fifa und der Lehrer hinter der Schule. Beispiel: Als mich besagter „Sheriff“ anrief, sagte er nicht etwa: „Hallo Herr Frädrich, hier ist der Herr XY.“ Er sagte: „Hier ist die Schule XY.“ Im Ernst: Er hat sich nicht mal mit seinem Namen gemeldet! Er erhöhte sich mit der Institution, für die er tätig ist. So wie auch Briefe von Behörden (oder behördenartig Denkenden) oft unpersönlich unterschrieben sind mit „L. Müller“ oder „M. Schulze“. Hier versteckt man sich hinter Initialen. Kein Wunder: „Lieschen Müller“ und „Manfred Schulze“ klingen nach viel weniger Schutzschild und mehr Eigenverantwortung. Sie klingen nach Menschen.

Natürlich verwischt die Grenze zum bösartigen Zerstörer, der – obwohl er im System eigentlich eine konstruktive Tätigkeit ausüben soll – zum rein destruktiven Exekutor werden kann. Wie ein auf Regeln trainierter Roboter fokussiert er dann nur noch das, was vermeintlich sein sollte. Und sobald er eine Regelabweichung findet, will er sie ahnden – schließlich fühlt er sich im Recht, ja empfindet es sogar als seine Pflicht, wirkungsvoll einzuschreiten. Dass dies in der menschlichen Natur liegt, wissen wir alle. Genau so lassen sich traurige Phänomene wie Krieg, Hexenverfolgung, das Milgram-Experiment oder Ausführen des Mauer-Schießbefehls erklären. Man tut nur seine Pflicht. Was auch sonst? Wozu gibt es sie schließlich, all die Regeln? Oh ja, manchen Menschen können Bürokratien, Diktaturen oder Ideologien eine echte Heimat geben …

Destruktives Gemotze ist erbärmlich

Ein weiterer destruktiver Typus ist der querulatorische Motzkopf. Er hat seine ganz eigenen Regeln für richtig und falsch und nimmt gerne freiwillig die Querulantenrolle an. Selbst wenn eigentlich alles okay ist – dieser Typus sucht das Haar in der Suppe. Und weil die Welt eben nicht perfekt ist, findet er es auch, was ihn wiederum in seiner destruktiv-motzenden Sichtweise bestärkt. Ein sich selbst erhaltender Teufelskreis.

Besonders häufig findet man solche Stinkstiefel ja in manchen Online-Foren: Was wird da oft hemmungslos geschimpft, gemotzt, in der Luft zerrissen, kritisiert und zerstört! Fußball, Politik, Bücher, Blogbeiträge, Menschen – im Netz lässt sich fast alles ungestraft anpinkeln. Dabei picken sich die destruktiven Kritiker meist nur Einzelaspekte heraus, auf denen sie herumhacken, anstatt das Gesamtbild zu beurteilen. Schmökern Sie zum Beispiel einmal bei Amazon in den Buchrezensionen: Unglaublich, für welche „Fehler“ manche Bücher hier niedergemacht werden! Etwas anderes als erwartet? Schlechte Bewertung! Inhalte zu detailliert? Schlechte Bewertung! Inhalte zu wenig detailliert? Schlechte Bewertung! Inhalte zum Teil schon bekannt? Schlechte Bewertung! Hin und wieder findet auch man echte Perlen unfairer Rhetorik: Da wird dann nur der Autor beleidigt, statt auf den Inhalt seines Buches einzugehen. Pfui bah!

Nochmal: Ich habe nichts gegen Kritik an sich. Jeder darf seine Meinung haben und kundtun. Ja, als Autor bin ich sogar dankbar für Feedback und gerne auch für inhaltliche Kritik! Nur frage ich mich bei etlichen Rezensionen besorgt, ob die Rezensenten schon in psychologischer Behandlung sind. Denn permanente kleinliche Fehlersuche und Kritik um ihrer selbst Willen, ist ja schon fast eine Diagnose: Schlau in Detail, zu blöd für Bedeutung und Zusammenhänge. Aufmerksam für Kleinigkeiten, blind für Wesentliches. Motzen bis der Arzt kommt.

Ganz besonders gemein sind ja die anonymen Schmähkritiker. Sie hinterlassen ihre Gemeinheiten wie einen Furz – plötzlich stinkt es, und keiner weiß woher. Man muss sich das mal vorstellen: Da schreibt jemand ein Buch, legt monate- und oft jahrelang Herzblut und Disziplin hinein, steht dafür mit seinem Namen – und muss sich dann ANONYM beschimpfen lassen! Ganz klar: Für mich stehen solche feigen Stinkstiefel gerade mal eine Entwicklungsstufe über der Amöbe. Leider entstehen im Internet  so derzeit ganz neue Formen des Mobbings – etwa wenn sich mehrere Stinkstiefel zusammentun und gemeinsam über etwas herziehen wie Heuschreckenschwärme. Gras wächst dann oft keines mehr. Erbärmlich. Wie gesagt: Welcher psychisch gesunde Mensch hat schon den Nerv und die Lust, sich mit den Mega-Motzköpfen oder ganzen Motzkopf-Rudeln auseinanderzusetzen? Und schon wieder kommt es zu einer statistischen Verschiebung: Die dunkle Seite der Macht erscheint überproportional vertreten, weil sich die schweigende (weise) Mehrheit zurückhält. Hilfe! Wo sind hier die Jedi-Ritter?

Einfach drüber stehen? Auf keinen Fall!

Klar, man (ich!) könnte auch hier drüber stehen. Könnte etwas herleiten von schwachen Egos, die sich psychisch daran hochziehen müssen, dass sie etwas zu motzen und zu zerstören haben, weil sie kaum Eigenes zustande bringen. Ich könnte dafür Verständnis aufbringen, dass sich im Internet auch arme Motzköpfe eine Art Heimat schaffen. Ich könnte bedenken, dass Besserwisserei hierzulande manchmal als „intellektuell“ gilt. Ja sogar, dass sich manche Dauermotzköpfe echte Marktnischen geschaffen haben, indem sie prinzipiell „dagegen“ sind und damit hin und wieder sogar unternehmerisches Gespür beweisen. Egal: Ich mag sie trotzdem nicht und will mich wehren, wo ich es kann. Ich mag Menschen, die sagen: „Mieser Einband, aber ein schönes Buch!“ Und nicht: „Schönes Buch, aber mieser Einband!“ So wie ich einem Koch nicht vor den Latz knalle: „Lecker gekocht, aber die Zwiebeln mag ich nicht!“ Stattdessen sage ich: „Ich mag zwar keine Zwiebeln, aber du hast lecker gekocht!“ Und ich freue mich über meine Arbeit, indem ich feststelle: „Es ist oft anstrengend, aber macht Spaß!“ Und nicht: „Es macht zwar Spaß, ist aber anstrengend!“ Dieser klitzekleine Unterschied in der Perspektive bedeutet für mich die Welt. Und ich will meine Welt verteidigen. Möge die Macht mit mir sein!

Ich bin davon überzeugt: Destruktives Gemotze ist eine der schlimmsten Unsitten in unserer Gesellschaft! Selbst wenn es oft vergleichsweise harmlos daherkommt und sich als schrullige Pedanterie tarnt, wie beim „Schulsheriff“. Denn: Was, wenn solche Sheriff-Typen, JEDEN kleinen „Fehler“ so ahnden? Wie offen, konstruktiv und experimentierfreudig ist dann wohl das Klima in ihrer Umgebung? Ich bin mir sicher: Wer genügende solcher Typen erlebt hat, verliert leicht seine Motivation und seinen Willen zu gestalten. Er fragt sich dann nicht mehr „Was kann ich tun?“ sondern nur noch „Darf ich das?“. Er vergleicht sich und seine Leistung mit dem, was er außen vorfindet, obwohl er sich mit dem vergleichen sollte, was er von innen heraus werden könnte. Er wird zu einem Angepassten. Zu einem, der unter seinen Möglichkeiten bleibt. Und das ist sehr gefährlich in einer Zeit, in der wir jeden hellen Kopf brauchen. Jeden, der lieber konstruktiv Probleme löst, statt neue zu schaffen. Jeden, der Ideen hat und Initiative ergreift, statt verzweifelt den Status Quo zu verwalten. Jeden, der sein Leben unternehmerisch angeht und den Mut hat, Wichtiges auch mal nur zu 80 Prozent richtig zu tun, als zu 100 Prozent gar nicht. Jeden, der Sinn- und Richtungsfragen stellt, statt sich in Details zu verzetteln. Kurz: Zur Zeit brauchen wir vor allem Gestalter! Weil Gestalter aber Raum brauchen, um sich zu entfalten, und die Freiheit, auch mal Fehler zu machen, dürfen wir sinnlose Bürokratie und destruktives Gemotze nicht tolerieren. Wir müssen dagegen vorgehen beziehungsweise schlau damit umzugehen lernen, damit sie uns nichts anhaben können, die Anhänger der dunklen Seite. Und dafür schlage ich die folgenden sieben Schritte vor.

Sieben Schritte für schlaueren Umgang mit Bürokraten und Motzköpfen

1.) Bleiben Sie cool!

Ja, ich weiß: Gerade aus meinem Mund klingt das jetzt sicher etwas schief – aber ich bin auch nur ein Mensch. Dennoch weiß ich: Im Prinzip können uns Worte nichts anhaben. Es ist nur die Bedeutung der Worte, die uns quält. Und diese Bedeutung geben wir Worten letztlich selbst. Also: Verbale Stinkbombe? Durchschnaufen und so tun, als ob es nach Rosen duftet! Und dann fragen Sie den Kritiker doch mal ganz cool, was er genau gemeint hat. Entweder kann er nun sachlich präzisieren, oder er stellt sich als hohler Phrasendrescher heraus.

2.) Kontrollieren Sie den Kritiker!

Wer zu stänkern und kritisieren gewohnt ist, ist es auch gewohnt, dass sich andere wegducken. Dadurch bekommt er meist zu wenig inhaltliches Feedback und hält sich und seine Sicht für den Nabel der Welt – und genau das ist sein schwacher Punkt! Denn: Hat der Kritiker überhaupt Ahnung von dem, was er kritisiert? Was qualifiziert denn den Motzkopf zum Buchkritiker, Fußballexperten, Beziehungstherapeuten oder Politikprofi? Möglicherweise sollten wir ihn tatsächlich nicht ernst nehmen.

Und falls Ihnen einer mit unbekannten Regeln und Vorschriften kommt, dann werfen Sie unbedingt selbst einen Blick ins Regelwerk! Stimmt überhaupt, was der Besserwisser sagt? Es könnte ja sein, dass Sie es mit einem Stinkstiefel zu tun haben, der nur behauptet, statt zu wissen. Oder der Regeln einseitig auslegt. Wer weiß? Vielleicht finden Sie ja einen anderen Interpretationsrahmen oder eine Gegenregel.

3.) Verlangen Sie einen konstruktiven Gegenvorschlag!

Blicken Sie Ihrem Gegenüber fest in die Augen und fragen Sie ihn, was er stattdessen vorschlagen würde! Wenn Ihr Kritiker darauf nichts Substanzielles parat hat, outet er sich als rein destruktiv gepolt. Sie brauchen ihn nicht weiter ernst zu nehmen.

4.) Fragen Sie sich: „Ist es gut gemeint?“

Also zielt die Kritik, das Gemotze, die Korrektur im Kern auf eine Verbesserung ab? Orientiert sie sich an der Bedeutung einer Regel, nicht nur an ihrer Anwendung? Falls nein, können Sie oft locker drüberstehen.

5.) Was können Sie daraus lernen?

Auch wenn es unangenehm erscheint: Falls die Kritik im Kern auf eine Verbesserung abzielt, können Sie etwas aus ihr lernen! Und das sollten Sie dann auch tun – unabhängig von den eigenen Befindlichkeiten. So machen Sie aus Schmerz wertvolles Feedback, das Ihnen weiterhilft.

6.) Wehren Sie sich!

Wehren Sie sich vor allem gegen wiederholtes destruktives Gemotze! Werden Sie bissig, zynisch und böse – natürlich auf dem Boden sachlicher Argumente! Ihr Gegenüber darf keinesfalls glauben, er habe mit Ihnen leichtes Spiel! Denken Sie daran: Wer den Kopf hängen lässt, fordert Nackenschläge heraus. Nur sporadisches harmloses Gemotze können und sollten wir locker übersehen. Sonst geben wir ihm eine Macht, die es nicht verdient.

7.) Haben Sie Vertrauen: Es wird alles besser werden!

Es ist noch gar nicht so lange her, da durften Frauen keinen Marathon laufen, mussten wir an innereuropäischen Grenzen unsere Pässe zeigen, hielt man das Internet für modischen Schnickschnack. Und immer gab es Motzköpfe, Stinkstiefel und Besserwisser, die bekämpft haben, was heute selbstverständlich ist. Seien wir uns daher sicher: Am Ende wird sich schon das Richtige durchsetzen – und nicht, was manche für richtig halten. So entwickelt sich unser Leben unaufhaltsam weiter – trotz der dunklen Seite. Vertrauen Sie darauf!

In diesem Sinne: Möge die Macht mit dir sein!

Herzliche Schweinehundegrüße

Ihr

Stefan Frädrich

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  • Ein sehr guter Beitrag. Herzlichen Dank dafür! Stefan Frädrichs Motivationsbriefe haben Hand und Fuß, und die destruktive, unkonstruktive und zerstörerische langatmige Zusammenarbeit mit einer Motz- , Laber- und Jammerbacke musste ich – leider viel zu lange – am eigenen Leib erfahren. Die Erfahrung daraus: Zuviel Langmut und Güte tun diesen Menschen wirklich nicht gut – und ich musste lernen, dass sie es nicht einmal verdienen, fair behandelt zu werden. Da half nur eines: den Motzkopf mit den eigenen Waffen zu schlagen…..

  • Hundeerfahrung mit Motzkopf.
    So etwas gab es bei mir auch. Meine damaligen 2 Neufundländerhündinnen hatten bei warmen Temperaturen nur eines im Sinn. Wir gingen durch einen Wald in Richtung Gewässer und kurz vorher ließ ich sie von der Leine. Ich erschrak richtig, als ich lautes Schreien hörte, wähnte ich mich doch alleine mit meinen Hunden. Schon kam ein Anglerpaar wütend angerannt und kündigte lauthals an, die Polizei zu rufen, meinen Ausweis ein zu fordern ( den ich nun wirklich nicht bei der Hunderunde hatte) usw. Die wüsten Beschimpfungen machten mich mundtod, bis in mir eine böse Wut empor kroch. Einigermaßen ruhig fragte ich die Herrschafften, ob meine Hunde sie belästigt hatten….nein, sie stürmten nur an ihnen vorbei ins Wasser.
    Dann sagte ich lauter : Ob sie auch so schnell die Feuerwehr rufen würden wie ich, im Falle einer Gewässerverunreinigung, da ich ja 3 mal tgl. diese Strecke gehen würde und somit auch auf ihre Fische schauen würde. ( Dies war einige Male der Fall gewesen)
    Schon war Ruhe. Ich habe mich mit den Hunden umgedreht und bin wortlos aber immer noch wütend gegangen.
    Leben und leben lassen.

    Lieber Gruß
    Inga

  • Ich kann mich nur anschließen. Heute habe ich mal wieder einen Vortrag gehalten und versuche immer mehr auch Ihre Tipps, Herr Dr. Frädrich, zu beherzigen. Es macht mir seit einiger Zeit wirklich richtig Spaß vor Leuten zu stehen und zu „entertainen“ – okay davon ist es noch ein bisschen entfernt, aber man lernt halt mit jedem Mal dazu. Heute war jedoch jemand in meinem Publikum, dem die Augen zufielen. Natürlich fragte ich mich zunächst, ob ich irgendwie langweilig spreche oder den gleichen Ton anschlage, den ich abends bei meiner vierjährigen Tochter vor dem Bett draufhabe, bei dem sie sicher einschläft. Da aber der ganze Rest des Publikum sehr wach war, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, diejenige anzusprechen und zu fragen, ob das was ich vortrage nicht das ist was sie erwartet hat und sie eben auch ein wenig müde erscheine. Allerdings habe ich es noch vorsichtiger formuliert. Mit diesen wenigen Worten löste ich in meiner Gegenüber ein wahres Donnerwetter aus. Ich musste mir vor versammelter Mannschaft anhören, dass ich sie vorführe und sie ein Problem mit den Augen hätte und ich sie vorführe und sie eben auch ein Problem mit den Augen hätte ….
    Irgendwie konnte ich die Situation wieder halbwegs deeskalieren und sprach die Kollegin in der Pause darauf an. Ihr schon entgegenkommend, dass es eben nicht so gemeint war und ich tatsächlich wissen wollte, ob das Vorgetragene nicht das sei, was sie erwartet hätte ging es munter weiter mit Problemen mit den Augen und Vorführung und für dumm verkaufen und Beschwerde usw.. Man muss dazu sagen, dass ich die Vorträge unternehmensintern halte als so eine Art Coaching. Irgendwie hätte ich bei einem Problem mit den Augen, bei dem die Augen wie im Schlaf zufallen, erwartet, dass mich derjenige vorher anspricht und darauf hinweist, dass er dieses Problem hat. Davon abgesehen, ist ihr das nach unserem Gespräch nicht mehr passiert mit den Augen.
    Es fiel mir auf, dass ich mal wieder an einen Menschen geraten war, bei dem keinerlei Entgegenkommen half. Ich ärgerte mich dann über mich selbst, weil ich wahrscheinlich eben wie oben beschrieben einfach nicht hätte kleinbeigeben sollen, sondern erkennen müssen, dass es sich um einen waschechten Neurotiker handelt, mit dem keine normale entgegenkommende Kommunikation lohnt und wie oben mit dem Schulhof-Sheriff verfahren hätte werden sollen. Meinen Co-Trainer fragte ich noch, voller Zweifel an mir selbst, ob meine Frage wirklich so unverschämt war. Leider handelt es sich bei ihm um einen echten Angshasen und ich konnte von ihm keine Zustimmung erhalten.
    Solche Typen wie oben beschrieben kenne ich zwar aus anderen Situationen, in der heutigen hätte ich dies einfach nicht erwartet. Einen kurzen Moment meinte ich, dass das Team von Ingo Kantz mit der versteckten Kamera auftauchen und den Sachverhalt aufklären würde – ich wartete vergebens. Ab jetzt gelten für mich nur noch die oben genannten sieben Regeln.

    Herzliche Grüße

    Stefan

  • Punkt 1 (bleiben Sie cool) ist bei der ersten Begegnung schwer umzusetzen und stark von der Tagesverfassung abhängig. Natürlich wäre ich gerne in jeder Situation cool, aber sich aufzuregen ist wie ein Schnitzel: ungesund, aber man braucht es halt von Zeit zu Zeit 😉

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