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Arme Raucher … 

 Juli 11, 2010

Von  Dr. Stefan Fraedrich

 

Nun wird die Luft in Bayern also noch besser! Endlich. Sogar per Volksentscheid. Chapeau, liebe Demokratie!

Dabei können sie einem fast ein bisschen leid tun, die Raucher – und ich sage das aus der Position eines überzeugten Ex-Rauchers, der jahrelang täglich bis zu 40 Stück der stinkigen Krebsstängel konsumiert hat: Kaum etwas hat in den letzten Jahren solch einen Imagewandel erlebt wie das Rauchen. Von der freien Entscheidung zur lästigen Zwangshandlung. Von der Souveräniät zur Peinlichkeit. Vom Freiheitssymbol zum Unterschichtenphänomen.

Sorry, liebe Raucher, aber man weiß heutzutage einfach, wie das Rauchen funktioniert – und kein halbwegs intelligenter Mensch macht da noch mit: Nikotin rein, Nikotin raus, Nikotin wieder rein. Nur damit die ans Nikotin gewohnten Nerven ihren Schuß bekommen. Eine einzige Kettenreaktion, die dazu dient, dass sich der Raucher „normal“ fühlen kann, also so wie sich ein Nichtraucher immer fühlt. Und dabei müssen allerlei Auslöser als Rechtfertigung dienen: rauchen gegen Stress, für bessere Konzentration und Verdauung, als Geselligkeitskrücke und Hilfe gegen Langeweile. Dass sich Raucher dabei aber verhalten wie Pawlowsche Hunde, sehen nur die Nichtraucher. Und dass die peinlichen Reden von Freiheit und Genuss nur ein schlechtes Gewissen maskieren, ist so offensichtlich, dass man die armen Raucher oft einfach in den Arm nehmen und trösten möchte.

Klar also, dass sich auch das Bild des Rauchers verändert hat: Vom Marlboro-Cowboy zum Viagra-Junkie. Vom Selbstbestimmten zu Marketing-Opfer. Vom der coolen Sau zum armen Schwein. Denn: Was muss man nicht alles einatmen, um im Dreiviertelstundentakt an seinen Stoff zu kommen? Kohlenmonoxid, Pestizide, Pyridin, Poloium 210, … Wen wundert es da, dass Raucher auch noch ein paar Jahre ihres Lebens opfern? „Sozialverträgliches Frühableben“ nannte man das einmal. Obwohl es bei den allermeisten Rauchern nur die Angst vorm Aufhören ist, die sie weiterqualmen lassen. Und ich bin mir sicher: Würde ich heute noch rauchen, bräuchte auch ich jedes Mal eine Kippe, wenn ich über all das nachdächte. Weil man als Raucher aber gerne zum Verleugnen neigt, würde vermutlich auch ich etwas von freiem Willen brabbeln und die Intoleranz der Nichtraucher beklagen. Dabei ist Rauchen in öffentlichen Räumen auch nichts arg anderes als in einen öffentlichen Pool zu pinkeln! Für die meisten ist es „Igitt!“ – und damit basta.

Sorry, liebe Raucher: Für manche Dinge wird es einfach Zeit. So auch für das Ende der Nikotinherrschaft. Wie heißt es so schön? „Wenn der Gaul tot ist, steig ab!“ Also schmeißt doch endlich alle die Kippen weg! Es ist viel einfacher als man zuvor glaubt – trotz aller Verlustängste: Erst verstehen, wie das Rauchen funktioniert (dabei helfen Nichtraucherbücher, -seminare oder offene Gespräche mit reflektierten Ex-Rauchern), dann eine Entscheidung treffen – und einfach keine Rachenschwärzer mehr anzünden. Schon nach 24 Stunden ist der körperliche Mini-Entzug vorbei, und nach ein paar Tagen hat auch der innere Schweinehund begriffen, dass kein Mensch Zigaretten braucht, um mit Stress fertig zu werden, nachzudenken oder aufs Klo gehen zu können. Und weil das Rauchen endlich auch schrittweise aus der Öffentlichkeit verschwindet, fällt sogar die Rückfallgefahr in der Kneipe weg – ist das nicht großartig? Dafür steigt kontinuierlich die Zahl der Ex-Raucher, die endlich wieder genießen können, was ihnen die Zigaretten so lange vorenthalten haben: Stolz, Freiheit, Gesundheit – und jede Menge frische Luft!

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  • Herr Dr. Frädrich,

    habe lange nicht mehr so gelacht. Super genialer Eintrag, mit unglaublich viel Wortwitz.

    Ich (als immer schon gewesene Nichtraucherin) erzähle in meinen Vorträgen gerne, wonach die Raucher wirklich süchtig sind: auf die esoterische Atempause. AUS-atmen ist unglaublich wichtig, wenn wir Stress haben, nervös sind, etc. Die Raucher gehen somit in die Raucherpause und entspannen dank der Ausatmung und die Nichtraucher stopfen sich einen Keks in den Mund. Dadurch kommen die Raucher tatsächlich entspannter aus der Raucherpause zurück. Diese Entspannung können sie allerdings noch viel leichter nur mit drei Mal lange Ausatmen erreichen – ohne Zigarette. Oder Sie pfeifen fröhlich ein Lied gegen den Stress – auch Ausatmung.

    Wenn die Raucher wüssten, dass sie da nur eine esoterische Atempause hinlegen, würden sie das Rauchen vielleicht auch nicht mehr als ganz so cool empfinden.

    Herzlichen Gruß
    Isabel García

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