Drei tägliche Tipps für gute Chefs

Liebe Schweinehundeprofis,

heute geht es hier um Chefs, die zu sehr von sich eingenommen sind, also zum Beispiel um Menschen, die in eine Führungsposition hineinrotiert sind, befördert worden sind oder sich selbstständig machen und nun ein Team führen und dabei eine etwas schräge Grundannahme haben, welche lautet: „Jetzt habe ich etwas zu sagen, also muss ich auch gut sein!“ 


Wenn das Ego des Chefs Speichellecker anzieht und Feedbak fehlt

Das Problem dabei ist: Wenn das Ego zu sehr gestreichelt werden will, kriechen die Ja-Sager und die Speichellecker aus ihren Löchern! Also die Leute, die immer so gerne sagen: Jawoll, Chef, du hast Recht! und „Was soll ich machen, damit es dir gut geht?“, also Menschen, die einem immer nur das freundliche und bestätigende Gesicht zeigen. Das ist natürlich für manche Chefs ein richtig fetter Ego-Trip, denn sie denken nun: „Alle finden mich super, ist das nicht toll?!“ – selbst wenn sie einen gar nicht so super finden und nicht wirklich alles toll ist …

Zugegeben: Es klingt erst mal ganz nett und so, als würde es viel Spaß machen, nur noch Bestätigung zu bekommen. Das Problem dabei ist aber häufig, dass die Feedbackschleifen jetzt versagen! Denn der liebe „Cheffe“ hängt nun informationsmäßig in der Luft, er kriegt nicht mehr ehrlich gesagt, was Sache ist. Und wenn es dumm läuft, merkt er das nicht einmal – bis dann schließlich die Probleme auftauchen: also miese Zahlen, wachsende Unzufriedenheit, allgemeines Mittelmaß bei schlechter werdenden Leistungsträgern. (Sie wissen ja: Die wahren Leistungsträger werden sich immer an ihrer eigenen Leistungfähigkeit messen und nicht an ihrem Verhältnis zum Chef. Und genau deswegen fallen sie manchmal durchs Raster des Wohlwollens und ihr Wort gilt (zeitweise) nichts mehr im Betrieb …)

Denn: Feedback ist natürlich wichtig für realistische Lagebeurteilungen! Der Chef ist wie der Steuermann auf See. Er muss Ziel, Kurs, Position und die aktuelle Lage an Bord kennen, um die richtgen Befehle geben zu können.

Drei Tipps für die tägliche Sonnenkönig-Prophylaxe

Daher habe ich nun drei elementare Phophylaxemaßnahmen für Sie, falls auch Sie als Chef aufs Egostreicheln stehen. (Übrigens gelten diese drei Maßnahmen nicht nur für die Chefs und Führungskräfte im Betrieb, sondern natürlich auch für andere Teams aller Art wie Familie, Sportmannschaften, Vereine und so weiter. Sie gelten also überall da, wo Menschen zusammenkommen und sich manchmal einer hinstellt und sagt: „Ich weiß, in welche Richtung es geht!“):

Erstens (um sowohl dem debilen Sonnenkönig-Syndrom als auch dem blinden Steuermann vorzubeugen), Tipp Nr. 1, Prophylaxemaßnahme Nr. 1 für funktionierende „Chef-Untergebenen-Konstellationen“ beziehungsweise (und viel netter klingend) funktionierende „Chef-Team-Konstellationen“: Sagen Sie täglich Danke!

Ja genau: Einfach nur täglich mindestens einmal Danke sagen, denn die wenigsten Erfolge gehen alleine nur auf Sie zurück, wenn Sie Chef sind. Fast immer stecken dahinter komplexe menschliche Netze, die Sie und Ihre Entscheidungen tragen und umsetzen müssen. Wer dabei aber nicht von Zeit zu Zeit Anerkennung bekommt, also von Ihnen auch mal ein Dankeschön, geht mit der Zeit auf Distanz. Und dann steht der Steuermann, also Sie, ohne Daten da. Beziehungsweise steht der Sonnenkönig ohne Freunde da, denn dann hat er nur noch die Speichellecker um sich herum, ist also quasi ganz alleine.

Zweitens, also Prophylaxemaßnahme Nr. 2: Geben Sie täglich einen Fehler zu!

Nobody is perfect, nicht einmal Chefin oder Chef, nicht einmal Sie! Und es kann auch gar niemand perfekt sein. Wie auch? Die Welt ist viel zu komplex, um immer alles richtig machen zu können. Aber: Wer eigene Fehler zugibt, ermutigt andere, wach mitzudenken und somit für Ergebnisse mit Verantwortung zu übernehmen! Sprich: Für die Ergebnisse, die ohnehin alle gemeinsam erzielen, kann nun auch jeder einzelne Verantwortung übernehmen. Und nicht nur Sie als Chef. Und wenn Sie als Chef eigene Fehler zugeben, ermutigen Sie auch andere, ihre Fehler zuzugeben, wodurch Besserwerden im Team überhaupt erst möglich wird, weil Sie so eine Kultur des Lernens schaffen. Denn klar: Fehler gehören zum Lernen dazu. Wichtig ist eben (welch eine Erkenntnis!), aus ihnen zu lernen … Was aber (Achtung!) nicht geht, wenn eine allgemeine Fehlervertuschungskultur herrscht. Und die fängt immer oben an, also bei Ihnen, wenn Sie Chef sind.

Also sagen Sie täglich: „Ui, da habe ich einen Fehler gemacht!“ Genau so machen Sie es auf lange Sicht richtig, denn genau so machen Sie auf lange Sicht die wenigsten Fehler.

Und drittens, also Prophylaxemaßnahme Nr. 3: Bitten Sie täglich mindestens einmal um Hilfe!

Ja, mindestens einmal täglich um Hilfe bitten. Denn weil nun alle wissen, dass Sie nicht perfekt sind und das auch gar nicht sein können (so wie jeder andere im Team auch), dürfen, können und sollen Sie nun auch täglich erhobenen Hauptes um Hilfe bitten: „Wie geht dieses? Wie geht jenes? Kann mir mal jemand erklären, wie das hier funktioniert?“ So werden Sie zum aktiv mitdenkenden Oberhaupt, das andere bei kniffligen Fragen nicht das eigene Ego schonend in Ruhe lässt, sondern stets auf Ergebnisse aus ist. Und Sie „zwingen“ andere quasi dazu, sich immer wieder selbst einzubringen und ihr Wissen frisch und pragmatisch zu halten. Jeder weiß: Ihnen geht es nicht darum, Ihr eigenes Denkmal zu pflegen, sondern darum, Ergebnisse zu bringen – und zwar mit Hilfe aller im Team, die Sie auch gerne offen einfordern.

So: Die Grundannahme „Jetzt habe ich etwas zu sagen, also muss ich auch gut sein“ ist also falsch! Stattdessen gilt: Sie können erst dann gut sein, wenn man Ihnen sagt, was Sie wissen müssen. Sie haben erst dann wirklich etwas zu sagen, wenn Sie als Chef nicht aufs Ego-Streicheln angewiesen sind, sondern mit echtem Feedback Entscheidungen treffen können, die Ergebnisse erzielen.

In diesem Sinne: Seien Sie ein Chef – und kein Bubi im Anzug oder ein Mädchen im Kostüm …

Herzliche Schweinehundegrüße

Ihr

Stefan Frädrich

PS: Kennen Sie eigentlich schon meine Podcasts? Aus denen stammt dieser Blogbeitrag nämlich. HIER können Sie ihn sich auch anhören und ebenfalls kommentieren.

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