Strategien gegen die „Vogelplage“

Liebe Schweinehundefreunde,

im Sommer sind die Balkontüren unseres Schlafzimmers meist weit geöffnet – vor allem nachts eine Wohltat, wenn uns die frische Luft beim Schlafen Open-Air-Feeling vermittelt! Herrlich! Nun, zumindest bis etwa fünf Uhr. Dann nämlich wachen die Vögel auf …

Kann irgendjemand bitte die Vögel abstellen?

Eigentlich faszinierend: Egal, wie tief ich schlafe – die Viecher kriegen mich immer wach. „ZWITSCHERZWITSCHER!“ tönt es (nein, schreit es!) – und nach ein paar Minuten hat sich selbst der schönste Traum verflüchtigt. Stattdessen entwickelt meine Fantasie nun fleißig Ideen, was ich gegen den Lärm tun kann (während meine Frau übrigens selig weiterschlummert, sie liebt Vogelgezwitscher) – immerhin will ich in Lösungen denken, nicht in Problemen:

  • Ohrenstöpsel nehmen? Nein, dann höre ich unseren Sohnemann nicht, wenn er wach wird …
  • Mir ein Kissen über den Kopf stülpen? Schlecht fürs Atmen …
  • Autosuggestionen im Stile von: „Oh wie schön: Vögel!“? Ich veralbere mich doch nicht selbst …

Sie ahnen es: Oft fühle ich mich hilfslos ausgeliefert. Vor allem vorgestern war es besonders schlimm. Entsprechend bizarr fielen meine Fantasien aus, mit welchen Strategien ich gegen die morgendliche „Vogelplage“ vorgehen könnte:

  • Eine Vogelflugverbotszone über dem Viertel errichten (zumindest für die Morgenstunden)!
  • Etwa 250 Meter hohe Fangzäune rund um unseren Block hochziehen!
  • Sämtliche Insekten unseres Blocks durch ein Kammerjägergroßaufgebot vernichten lassen und den Vögeln somit die Nahrung entziehen!
  • Vollautomatische Vogelabwehrraketensysteme installieren (so etwas muss es doch geben)!
  • Papageno engagieren!
  • An Minizeppelinen hängende Vogelscheuchen im Kreis herumfliegen lassen!

Ja, bizarr. Sagte ich doch. Und bescheuert natürlich auch, ich weiß. Also tat ich irgendwann doch das Naheliegendste: Ich stand auf, schloss die Balkontüren und schlief weiter …

„Das böse System ist schuld!“

Seltsame Story für meinen Blog? Gar nicht! Im Gegenteil: Ein wunderschönes Beispiel dafür, wie schnell wir manchmal die Schuld für Unpässlichkeiten im „großen bösen System“ suchen und uns hilflos fühlen – anstatt uns damit zu beschäftigen, was wir selbst konkret tun können!

Menschlich, menschlich. Schließlich enthebt uns die allgemeine Sündenbocksuche so bequem unserer Verantwortung. Und so schön leicht fällt sie außerdem: Der Staat ist schuld! Das Management! Das Internet! Die Medien! Die Banken! Das Schulsystem! Die EU sowieso (ganz besonders Griechenland)! Und die USA erst! Die Krankenkassen zocken uns ab! Die böse Kollegin mobbt! Und die Öffnungszeiten der Post sind ein Witz! Wie sollen wir da eigentlich ein gutes Leben führen? Motz, motz, motz! Wir haben einfach keine Chance …

Was wirklich seltsam ist: Ich könnte Ihnen etliche Stories aus Coachings, Consultings und Seminaren erzählen, in denen sich Menschen genau so anstellen (angestellt haben) wie ich mit meiner „Vogelplage“.

  • Es wird der Nichtraucherkurs gecancelt, weil die „böse Krankenkasse“ die Kosten nicht trägt (wobei sie übrigens auch keine Zigaretten zahlt). Dann lieber weiterrauchen …
  • Es wird über „die Firma“ geschimpft und „die falschen Strukturen“, aber tagtäglich brav mitgemacht, ohne offen Stellung zu beziehen. Sollen doch die anderen …
  • „Hartz IV“ ist schuld und die blöden Ämter, wenn man keinen Fuß auf den Boden kriegt – und nicht das konsequente Auslassen möglicher Chancen im Laufe der letzten Jahre. Weiß doch jeder, wie ungerecht die Welt ist …
  • Der „veränderte Markt“ ist schuld, wenn man sein Produkt nicht mehr verkauft – und nicht etwa, dass man zu faul war, sich strategisch anzupassen. Warum andere im gleichen Markt so erfolgreich sind? Unerklärlich …

Im Kern mogeln wir uns vor, wir würden konstruktiv nach Lösungen suchen, verharren stattdessen aber in der Problemtrance. Sie klingt so logisch und ist so schön bequem …

Übernehmen Sie Verantwortung – und nehmen Sie sich selbst nicht immer so wichtig!

Pervers, oder? Naja, zumindest menschlich. Auf keinen Fall aber ehrlich! Und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist der allererste Schritt: Denn meist haben wir unseren eigenen Einflussbereich direkt vor uns – wenn wir bereit sind, ihn wahrzunehmen, für unser Wohlbefinden und Vorankommen SELBST Verantwortung zu übernehmen und uns nicht immer so schrecklich wichtig zu nehmen:

  • Wer mit dem Rauchen aufhören will, kann das unabhängig von anderen tun. Jederzeit!
  • Wer für Verbesserungen einsteht, ist zwar unbequem und riskiert mitunter Ärger, trägt aber seinen eigenen Teil zur Verbesserung bei. Denn: Wer, wenn nicht du? Jawohl!
  • Wer „Ungerechtigkeiten“ akzeptiert, gibt sich selbst die Macht, TROTZDEM nach Chancen zu suchen. Ätsch!
  • Wer sich bewusst jeden Tag ein wenig verbessert und dazulernt, braucht nicht erst auf die große Krise zu warten, um das Richtige zu tun. Hallo Erfolg!

Und so weiter.

Denn während die hilflosen Systemkritiker noch mit ernsten Mienen gegen Windmühlen kämpfen und sich in den leeren Worthülsen des hohlen Schwadronierens aufreiben, sind andere längst unterwegs zu ihren Zielen. Leicht im Kopf und in ihrem Herzen. Beweglich, flink und gut gelaunt. Im lockeren Slalom um die traurigen Problemklöpse herum …

Na? Welche Balkontüre können SIE einfach so schließen?

Herzliche Schweinehundegrüße

Ihr

Stefan Frädrich

PS: Ich habe gar nichts gegen Vögel (nach 9 Uhr). Mitunter habe ich sogar einen ziemlich großen …

PPS: Aber manche Vögel haben etwas gegen mich! Wirklich! Hier der Beweis 🙂

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