Liebe Schweinehundefreunde,

haben Sie denn schon mal Ziele erreicht? Oder schon welche verfehlt? (Verfehlen Sie sie vielleicht sogar immer?) Dann denken Sie jetzt mal an ein Ziel, das zu erreichen Ihnen immer wieder schwer fällt. Und dann folgen Sie bitte vorurteilsfrei meinen nächsten Ausführungen. 

Der gute alte Kompass

Wissen Sie noch, was ein Kompass ist? Die Älteren werden sich erinnern: Das sind die Dinger, bevor es Navis gab. Nun sagen die Motivationsfuzzies immer, man solle sich Ziele setzen, damit man immer genau weiß, wo es langgeht. Die Kompassnadel zeigt in Richtung Ziel und wir haben eine Orientierung unterwegs.

Einfaches Beispiel: Haben Sie schon mal eine Diät gemacht? Dann könnte Ihr Ziel dabei sein: „Fünf Kilo müssen runter!“ Minus fünf Kilo, das ist also Ihre Kompassnadel. Ganz ehrlich: Macht so etwas Spaß? Nein? Warum nicht? Weil man sich ständig am Riemen reißen muss: „Kein Bier! Keine Pizza! Keine Pommes! Kein Kuchen!“ Und die Pizza sagt: „Iss mich!“ Sie haben eine heftige Zeit. Sie würden Kindern am liebsten ihr Eis klauen.

Doch Sie sind diszipliniert – und irgendwann am Ziel. Minus fünf Kilo. Geschafft. Und was ist jetzt das nächste, das passiert? Die Pizza sagt immer noch: „Iss mich!“ und Sie sagen: „Okay! Endlich wieder normal essen.“ Und dann? Fünf Kilo runter, sechs Kilo rauf, hallo Jojo-Effekt. Auch benannt nach Joschka Fischer …

Sie haben dank der Kompassnadel Ihr Ziel erreicht – und dabei Ihr eigentliches verfehlt: Kein normaler Mensch will abnehmen! Kein normaler Mensch will sich das Leben durch Zahlen vorschreiben lassen! Wir wollen schlank sein, uns gut fühlen, gut aussehen!

Gewohnheiten sind stärker als Ziele – also auch wichtiger!

Doch was müssen wir dafür tun? Uns Gewohnheiten beibringen, die uns ein schlankes Leben bescheren: Weniger Süßkram, mehr Gemüse, mehr Wasser statt Limo oder Bier. Regelmäßig Sport machen. Und zwar dauerhaft. Diese Art zu leben muss unsere zweite Natur werden. Dann erreichen wir unser Zielgewicht – ohne es vorher zwangsläufig definiert haben zu müssen!

Daher, Achtung, was wäre, wenn es neben den Zielen eine zweite Kompassnadel gäbe, die uns Orientierung gibt: Nämlich unsere Gewohnheiten, Strukturen, Routinen? Nennen wir die mal unseren „Weg“. Also was ist, wenn die Weg-Kompassnadel in eine andere Richtung zeigt als die Ziel-Kompassnadel? Welche gewinnt langfristig? Klar: Die Ziele haben keine Chance. Vielleicht laufen wir mal kurzzeitig in ihre Richtung. Dann aber gewinnen die Gewohnheiten. Also scheint das mit den Zielen ja wirklich nicht so gut zu funktionieren. Man erreicht sie meist nur, wenn sie entlang des Weges stehen, den wir ohnehin gehen …

Unter solchen Umständen braucht man Ziele also nicht einmal. Sie werden nebenbei erreicht. Und hinterher tut man gerne so, als habe man absichtsvoll gehandelt. Kennen Sie sicher auch aus anderen Bereichen Ihres Lebens: aus dem Sportverein, der Familie, Ihrer Firma. Wer sich Gewohnheiten in den Weg stellt, hat in der Regel keine Chance. Aber trotzdem wird immer irgendetwas erreicht. Irgendetwas, das man ohnehin erreicht hätte.

Die dritte Kompassnadel: der Sinn

Wie geht es besser? Indem man zuerst über eine dritte Kompassnadel nachdenkt, die noch wichtiger ist als Weg und Ziel: den Sinn dessen, was wir tun oder tun wollen! Denn wir Menschen sind sinngetriebene Wesen. Wir müssen verstehen, wozu wir etwas tun sollen, wenn wir es wirklich langfristig tun wollen. Und wir müssen uns mit diesem Sinn identifizieren.

Wenn der Sinn hingehen nochmal in eine ganz neue, also dritte Richtung geht, sind Chaos und Konflikte perfekt. Sollen Sie nun hierhin, dorthin oder dahin? Der Kompass wird unbrauchbar.

Zur Diät zurück. Ziel: Minus fünf Kilo. Weg: Fressen, was reingeht. Weil Sinn: „Ich bin halt ein Genußmensch.“ Sorry, das geht so nicht zusammen.

  • Wenn überhaupt, muss man zuerst über den Sinn nachdenken: „Ich will mich gut fühlen, schlanker sein und trotzdem genießen.“
  • Dann überlegt man sich, wie das praktisch in eine dauerhafte Gewohnheit zu packen ist, also den Prozess, den Weg: „Ich esse mehr hiervon als davon, darf aber prinzipiell alles essen.“
  • Nun sind langfristig gute Ergebnisse erreichbar, also langfristige gute Ziele, keine kurzfristigen schlechten, die sofort wieder ins Gegenteil umschlagen.

Verstehen Sie? Alle drei Kompassnadeln müssen in ein und dieselbe Richtung zeigen! Dann erreichen Sie Ihre Ziele. Alles fängt aber beim Sinn an: Er ist die wichtigste der drei Kompassnadeln. Dann folgt der Weg und am Ende schließlich das Ziel.

Gehen Sie doch mal in Ruhe Ihre wichtigsten derzeitigen Projekte durch – und sortieren Sie sie nach Sinn, Weg und Zielen:

  • Was steht derzeit an im Job, in der Familie, beim Thema Gesundheit, in Finanzsachen und so weiter?
  • Wozu wollen Sie tun, was zu tun ist?
  • Welche Gewohnheiten, Abläufe und Routinen sollten Sie also entwickeln?
  • Und welche Ziele können Sie daraus ableiten?

Wetten, dass Sie Ihre Ziele so nun erreichen?

Viel Erfolg dabei!