„Das macht man doch nicht!“

Liebe Schweinehundefreunde,

eine meiner tiefsten Überzeugungen ist, dass wir alle einizgartig sind – und sein sollten. Denn: Letztlich macht es genau diese unsere Individualität aus, die uns als Kollektiv weiterbringt.

Moment mal! Kollektiv? Individualität? Passt das überhaupt zusammen? Unbedingt! Ein kleines Gedankenspiel: Stellen Sie sich zwei Planeten vor mit der exakt identischen Bevölkerung. Gleiche Gene, Stärken, Schwächen, Möglichkeiten. Der einzige Unterschied: Während auf Planet 1 quasi kommunistische Strukturen herrschen, in denen Individualität per Gesetz unterdrückt wird und alle „auf Linie“ gebügelt sind, genießt jeder auf Planet 2 die Freiheit, gemäß seiner Stärken und Interessen zu denken und handeln – solange das keine negativen Konsequenzen für andere hat. Auf welchem Planeten würden Sie lieber leben? Und: Welcher wäre wohl insgesamt erfolgreicher? Ich würde zweimal auf Planet 2 tippen.

Ja, Individualität ist für mich einer der wichtigsten Werte überhaupt. Dabei ist Individualität nicht immer bequem. Manchmal eckt man mit ihr sogar ziemlich an. Vor allem wenn sich eine Sichtweise dem vermeintlichen Konsens widersetzt, wird es spannend. Denn:

  • Entweder formuliert man eine „schräge“ Idee, auf die noch keiner vorher gekommen ist. Solche Ideen setzen sich durch oder nicht – abhängig vom „Markt“ für die Idee und deren Umsetzung in der Praxis.
  • Oder aber man ist mit seiner Idee gar nicht wirklich alleine. Es hat sich bislang nur keiner getraut, die Idee offen an- bzw. auszusprechen – auch in individualistischen Gesellschaften gibt es Anpassungsdruck ans Kollektiv.

Besonders Zweiteres birgt enormes Potenzial: Was, wenn sehr viele gleicher Meinung sind, es aber nur nicht laut sagen? Dann kommt irgendjemand daher und spricht etwas Offensichtliches laut aus – mit dem Effekt allgemeiner Erleichterung: „Endlich sagt es mal jemand! Warum erst so spät?“ Und auf dem Boden gemeinsamer Akzeptanz erreicht das Kolllektiv seinen nächsten Entwicklungsstand.

Die Gegenkraft zu solch wohltuender Gruppenläuterung ist die „politische Korrektheit“ im negativ-bremsenden Sinne: „Das denkt man/sagt man/macht man doch nicht!“ – obwohl etwas längst gedacht, gesagt und getan gehört. Denn im Ergebnis entwickeln wir uns alle weiter, wenn schräge Ideen offen ausgesprochen werden und ihre Zeit gekommen ist. Mitunter passiert dabei Unglaubliches: Man darf heute bekennender Fußballfan sein, in Ämtern nehmen sie das Wort „Service“ in den Mund – und Frauen haben sogar Wahlrecht (noch längst nicht überall eine Selbstverständlichkeit).

Ups, klang Letzteres frech für Sie? Dann sind Sie vermutlich weiblich, konservativ-feministisch und ein wenig humorlos. Schlimm? Zum Glück nicht! Denn so wie ich, dürfen Sie denken, sagen und tun, was immer Sie wollen – ob mir das gefällt oder nicht. Und ich bin dankbar dafür! Dank Ihrer Ansichten kann ich meine besser ausloten. Wir schärfen uns sozusagen gegenseitig – ich bin ein großer Freund offener Worte: Ich finde,

  • Psychotherapeuten (und Motivationstrainer) haben (oft) einen an der Waffel,
  • Politiker ziehen sich scheiße an,
  • Schüler können keine Rechtschreibung mehr,
  • und jeder sollte sich mal geprügelt haben.

Schlimm? Quatsch! Harmlos! Einfach ein paar Statements, die ich unterschreiben würde. Noch ein paar? Gerne:

  • In der Kölner Stadtverwaltung arbeiten viele Pfeifen.
  • Jeder popelt in der Nase.
  • Manche Kinder sind schrecklich.
  • Hunde sollten im Bett schlafen.
  • Viele Studenten sind unerträglich dumm.
  • Esoterik ist lächerlicher Blödsinn.
Hahaa! Und wissen Sie was? Es macht Spaß, so etwas zu schreiben! Ob Sie mir zustimmen, oder nicht. Ob es genauso stimmt, oder nicht. Ob es dem Kollektiv hilft, oder nicht. Denn: Es ist meine Meinung, die ich Ihnen in einem persönlichen Gespräch gerne erläutere.

Und so war ich vor einiger Zeit seeeeehr erfreut, als mir meine Frau (www.henriette-fraedrich.de) von ihrem neuen Buchprojekt erzählte: „Das macht man doch nicht!“ war der Arbeitstitel. Und es sollte um Dinge gehen, die (fast) jeder tut (oder bereits getan hat), die man aber (in der Regel) nicht offen zugibt, weil sie nicht wirklich politisch korrekt sind: das Baby von Freunden häßlich finden, beim Schwimmen ins Wasser pinkeln, von Bettlern genervt sein, und, und, und. Sprich: Lauter Dinge, die das Zeug haben, Zustimmung zu erfahren – wenngleich man sich nicht sofort mit Ruhm bekleckert, wenn man sich öffentlich dazu bekennt. Geile Idee!

Und weil das Buch nun frisch im dtv-Verlag erschienen ist, widme ich meinem Schatz und ihrer grandiosen Idee sehr gerne diesen Blogbeitrag hier. Denn: „Das macht man doch nicht!“ ist KLASSE geworden!

Mögen sich möglichst viele zum garantiert politisch Unkorrekten bekennen! Leute, Ihr seid nicht allein!

Herzliche Schweinehundegrüße
Ihr

Dr. Stefan Frädrich

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